„Stube und Küche”(1) (1) Altberliner Ausdruck für minderwertige 1-Zimmer-Wohnung, Klo eine Treppe tiefer > bei uns eine Treppe höher! <
Als 1894 das Haus am Lindenufer 17 erbaut wurde, war diese Stätte als Lebensmittelladen konzipiert. Doch schon einige Jahre später, zur Jahrhundertwende, wurde eine typische Berliner Kiezkneipe draus, die sich in guter Nachbarschaft mit anderen Kneipen messen konnte (siehe rechts). In den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts, übernahm Anna Holz das Etablissement und die darüber liegende Wohnung. Damit reihte Sie sich in die derzeit verrufene Amüsierzeile am Lindenufer ein. Anna Holz, genannt Mutter Holzen, war die Mutter der weit über Spandaus Grenzen hinaus bis ins Umland bekannten "Tante Agnes", geb. Holz, verehelichte Meyer. In den 50er Jahren hatte die Binnenschifffahrt Hochkonjunktur und ihr Zuhause war die
 „Schifferklause” von Tante Agnes (Foto aus den fünfzigern des vorigen Jahrhunderts). Sie handelte, besorgte, tauschte mit allem, was die Schiffer brachten und brauchten. | 
Da hat es an Damen des horizontalen Gewerbes auch nicht gefehlt, die unter Tante Agnes’ Schirmherrschaft standen. Nach Erzählungen von Zeitzeugen - die sich auskannten - waren die preiswerten »Damen« für eine Tafel Karina (Schokolade) oder ein Paar Perlonstrümpfe am be- wachsenen Lindenufer zu haben. Die "gehobene Klasse" durfte Tante Agnes' Wohnung benutzen, da, wo Sie vielleicht bald sitzen werden. Auch vierbeinige Pferdchen liefen für Tante Agnes auf der Mariendorfer Trabrennbahn. Mit dem Bau der Mauer 1961 kam der große Einbruch. Die Anzahl der hier am Zusammen- fluss von Spree und Havel anlegenden Binnenschiffer ging stark zurück. Krank und verarmt starb „Tante Agnes” am 23.10.1975 | Unmittelbar benachbarte Kneipen am Lindenufer zu Beginn des 20. Jahrhunderts: (gefunden in alten Adress-/Telefonbüchern)
Lindenufer 13 | Lindenufer 18 | Eduard Zarling Emil Jahn Karl Kramer Otto Reichelt | 1907 1908-1909 1922 1926 | Eduard Zarling | 1910-1911 | (ab 1912 eine Ecke weiter in der Fischerstraße 13, “Lustige Bubi”) | Friedrich Schenk Fritz Schenk Marie Hagen Albert Hagen | 1912-1915 1918 1922 1926 | | Lindenufer 17 letzte, heute noch existierende Gastwirtschaft am Lindenufer | | Fritz Zart Fritz Böhle Friedrich Huth Anna Holz Agnes Meyer, geb. Holz Anke Stern Detlef Petereit | 1905 1908 1909 1926 1936 bis 1973 1982 bis 2004 2004 | Die angegebenen Jahreszahlen sind gesicherte Fundstellen. Es konnten noch nicht lückenlos alle Jahrgänge vollständig bearbeitet werden - insoweit ist diese Auflistung beispielhaft, keinesfalls vollständig. |
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Aussage einer ehemaligen Mieterin vom Lindenufer 17:
„Früher brauchte man keen' Fernseher, keen Video, keene Pornofilme. Haste Dein Fenster uffjemacht und rausjekiekt, haste allet jehabt.” nach oben Wie es weiter ging...
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